• Wissenswertes
  • 13.09.2026
Wie erkennt man einen Brachvogel, eine Uferschnepfe oder einen Kiebitz? Was ist der Unterschied zwischen dem Schmalblättrigen Wollgras und dem Scheidigen Wollgras? Welche Frösche, Eidechsen und Schlangen sind im Moor zu Hause? Diesen und vielen weiteren Fragen gingen am vergangenen Samstag die Teilnehmenden bei einer Fortbildungsveranstaltung zum Thema „Artenkenntnisse im Moor“ nach.

Eingeladen hatten die Naturparke Bourtanger Moor und Hümmling im Rahmen eines Projektes der Naturparke in Niedersachsen, gefördert durch das Land Niedersachsen. Die heterogene Gruppe – darunter zertifizierte Natur- und Landschaftsführer, Mitarbeitende der Naturparke sowie weitere naturinteressierte Teilnehmer – wurde von Johannes Weise und Leslie Koch von der Ökologischen Station Grafschaft Bentheim – Emsland Süd begleitet.

Im Emsland Moormuseum bildete der Auftakt eine theoretische Einführung in die charakteristische Tier- und Pflanzenwelt. Mithilfe zahlreicher Fotos entstand zunächst ein Überblick über die verschiedenen Arten und ihre Lebensräume. Leslie Koch stellte unter anderem Brachvogel, Uferschnepfe und Kiebitz vor und gab Einblicke in deren Vorkommen und Bestandsentwicklung. Auch weitere weniger vertraute Arten wurden anhand ihrer besonderen Merkmale vorgestellt: Rotschenkel, Lachmöwen sowie Blau-, Schwarz- und Braunkehlchen gehörten ebenso dazu wie die Schaf- und Zitronenstelze. Die großen Greifvögel und ihre Rolle im Lebensraum Moor wurden thematisiert, ebenso wie der Kranich.

Besonders anschaulich wurde es, als es um die Stimmen der Vögel ging. „Rostgänse miauen wie kleine Kätzchen“, erklärte Leslie Koch und ahmte den Ruf nach. Und den kullernden Ruf des Brachvogels konnte der teilnehmende Ranger täuschend echt wiedergeben – zur Freude der gesamten Runde.

Auch in die Pflanzenwelt führte Johannes Weise zunächst anhand von Bildern ein. Unterschiedliche Torfmoose, Sonnentau und verschiedene Heidearten prägen typische Moorlebensräume. Dabei wurde deutlich, wie hilfreich der Blick auf kleine Details bei der Bestimmung sein kann. So ähnelt die Rosmarinheide ihrem Namensgeber tatsächlich stärker als die anderen Heidearten. Auch beim Wollgras lohnt sich ein genauer Blick: Während das Scheidige Wollgras in Horsten wächst, steht das Schmalblättrige Wollgras einzeln.

Im Forscherwagen des Emsland Moormuseums wechselte anschließend die Perspektive auf Amphibien und Reptilien. Anschauliche Modelle machten die Unterschiede zwischen verschiedenen Kröten- und Froscharten sichtbar. Auch Blindschleiche, Eidechsen, Kreuzotter und Schlingnatter wurden vorgestellt. Muster, Körperform und weitere typische Merkmale helfen dabei, die Arten voneinander zu unterscheiden.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf den Libellen. Die Teilnehmenden erfuhren, unter welchen Bedingungen sich die Tiere wohlfühlen und wie sich die verschiedenen Arten unterscheiden. Königs-, Mosaik- und Heidelibellen sind nur einige Vertreter der rund 80 in Deutschland vorkommenden Libellenarten. Etwa 47 Arten sind nach den Angaben von Johannes Weise auch im Naturpark Bourtanger Moor nachgewiesen.

Mit Schmetterlingen, Ameisen, Käfern, Spinnen und Heuschrecken sowie deren Bedeutung für das Ökosystem endete der theoretische Teil. Doch damit begann der praktische und ebenso spannende Teil des Tages: ausgestattet mit Ferngläsern und Keschern ging es nach draußen. Auf dem Außengelände des Emsland Moormuseums sowie an weiteren Exkursionsorten, unter anderem an der Aussichtsplattform im Geestmoor und im Dalum-Wietmarscher Moor, konnten die neu erworbenen Kenntnisse direkt angewendet werden.

Dabei zeigte sich schnell: Wer einmal gelernt hat, genauer hinzusehen, nimmt seine Umgebung anders wahr. Jede noch so kleine Entdeckung wurde gemeinsam betrachtet, bestimmt und eingeordnet.

Am Ende des Tages waren sich die Teilnehmenden einig: Artenkenntnis entsteht nicht allein aus Büchern und Bildern. Sie wächst vor allem durch genaues Beobachten, Zuhören und eigenes Erleben. Die Fortbildung vermittelte dabei nicht nur Wissen über die Tier- und Pflanzenwelt des Moores, sondern auch die Freude daran, diese besondere Landschaft mit aufmerksameren Augen zu entdecken.

Wer selbst einmal tiefer in die Welt des Moores eintauchen möchte, findet weitere Informationen zu Programmen unter www.moormuseum.de. Auch die Ökologische Station Grafschaft Bentheim – Emsland Süd bietet auf Anfrage entsprechende Einblicke und Veranstaltungen an.

www.naturpark-moor.eu

www.huemmling.de

Moor & mehr – Geschichten aus den Naturparken


Naturparke in der Ferienregion feiern Jubiläum 

In Kooperation mit dem Emsland-Kurier feiern wir in diesem Jahr die Jubiläen “20 Jahre Naturpark Bourtanger Moor” und “10 Jahre Naturpark Hümmling” mit Geschichten über die eindrucksvolle Kulturlandschaft, prägnante und ungewöhnliche Sehenswürdigkeiten und ehrenamtliches Engagement mit viel Heimatgefühl.
 
Die Beiträge werden im Emsland-Kurier veröffentlicht und sind im Emsland-Blog "Moor & mehr“ auf unserer "Geburtstagsseite"zum Themenjahr nachzulesen.  

13. September 2026