Ein Fenster in die Vergangenheit

Auf fotografischer Spurensuche im verschwundenen Dorf Wahn

Wissenswertes
26.04.2026

Auf fotografischer Spurensuche im verschwundenen Dorf Wahn

Am Gedenkort Dorfstelle Alt-Wahn begaben sich die Direktorin des Emslandmuseums auf Schloss Clemenswerth, Christiane Kuhlmann, sowie die „Zweitzeitzeugen“ Wilhelm Masbaum und Achim Geers auf eine gemeinsame Spurensuche.

Ausgangspunkt war ein eindrucksvolles Schwarz-Weiß-Foto des Journalisten Gerhard Kromschröder aus den frühen 1960er Jahren. Die Aufnahme zeigt den Blick aus dem Fenster eines ehemaligen Stalles hinaus auf die weite, leere Flur.
  

Die Fotografie Das ehemalige Dorf (Dorfstelle Wahn)” fällt sprichwörtlich aus dem Rahmen der Werkreihe Emsland Schwarz-Weiß, betonte Christiane Kuhlmann anlässlich der Spurensuche auf dem Gelände des früheren Hümmlingdorfes.

„Die Maueröffnung eines Gebäudes, das lange schon nicht mehr existiert, wirkt wie ein Bilderrahmen um die leere, verlassene Dorfstelle. Das Bild ist unspezifisch, und es ist heute kaum noch nachzuvollziehen, wo es entstanden sein könnte. Aber gerade das ist spannend, um Wahn neu zu sehen und seine Geschichte zu erkunden“, sagte Kuhlmann.

Es sei wie ein Bild im Bild und zugleich ein Blick in die Vergangenheit. Sinnbildlich nehme es das vorweg, was ab den 2000er-Jahren hier entstanden sei: ein Ort der Erinnerung. 

Die konkrete Lokalisierung des Aufnahmeortes des historischen Fotos erwies sich im Rahmen der Spurensuche auf den Gelände als schwierig. Das ursprüngliche Gebäude existiert nicht mehr, und das Gelände ist inzwischen stark vom Baumaufschlag bewachsen.

Nach Erinnerung von Achim Geers waren in den 1960er Jahren noch Reste eines Schafstalles des Hofes Thöben vorhanden, aus dessen Fenster das Foto entstanden sein muss – heute sind auch diese Spuren verschwunden. Eine Bauzeichnung stehe noch zur Verfügung. 

Wilhelm Masbaum und Achim Geers gehören als direkte Nachfahren früherer Dorfbewohner zu den sogenannten „Zweitzeitzeugen“, da sie von ihren Eltern sehr viel über die Geschichte des Ortes und die weitere Entwicklung erfahren haben.

Sie erinnerten in diesem Zusammenhang an die Zeit vor der Räumung des Dorfes im Jahr 1941. Masbaums Vater war als selbstständiger Stellmacher im Ort tätig, bevor die Familie – wie viele andere auch – ausgesiedelt wurde. Auch die Familie des Postboten Heinrich Geers fand im Siedlungsbereich Jägerhof eine neue Heimat.

Zahlreiche landwirtschaftliche Betriebe mussten aufgegeben werden; viele Familien wurden unter anderem nach Rastdorf, Hilkenbrook, Lathen-Wahn und in weitere Orte umgesiedelt. Im Zuge der Räumung wurde das Vieh über die Straßen in die neuen Siedlungsorte getrieben – ein einschneidendes Erlebnis für die Betroffenen. 

Das Gelände der ehemaligen Dorfstelle ging zunächst in den Besitz des Rüstungsunternehmens Krupp über und wurde später vom Bund übernommen. Es wurden nahezu alle Gebäude abgerissen, darunter auch die St.-Antonius-Kirche, die bis auf ihren Turm zerstört wurde. Der Turm wurde später ebenfalls gesprengt.

Erst durch das Engagement ehemaliger Bewohner und ihrer Nachkommen konnte in Zusammenarbeit mit der Emsländischen Stiftung (ESBA) und unter Federführung von Wilhelm Masbaum der Schutt beseitigt und die Fundamente der Kirche wieder freigelegt werden.

Der damalige Landrat Hermann Bröring unterstützte die Wiederherstellung der Kirchenfundamente sowie die Neugestaltung des Gedenkortes maßgeblich und trug durch die Einwerbung von Spenden zur Finanzierung der Maßnahmen bei. Die Umsetzung erfolgte im Jahr 2005.

Ein wichtiger Impuls ging dabei von den sogenannten „Wahner Treffen“ aus, bei denen sich frühere Einwohner und ihre Familien regelmäßig versammelten. Diese Treffen umfassten unter anderem Gottesdienste, Gräbersegnungen und Prozessionen, bei denen auch die Madonna aus der ehemaligen Kirche mitgeführt wurde.

Heute kümmern sich die Heimatvereine aus Lathen-Wahn, Sögel und Rastdorf um Pflege und Weiterentwicklung des Gedenkortes. Achim Geers engagiert sich zudem als Gästeführer und kündigte weitere Maßnahmen zur Aufwertung des Areals an. 

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