Stoff für Diskussionen
Wie die Neu-Emsländerin Birgit Schüller mit ihren Quilts Haltung zeigt
Wie die Neu-Emsländerin Birgit Schüller mit ihren Quilts Haltung zeigt
Nach mehr als zwanzig Jahren erfolgreicher Tätigkeit als Longarm-Quilterin, Künstlerin und Dozentin richtet Schüller ihr Schaffen bewusst neu aus. Sie hat sich von Wettbewerben verabschiedet und konzentriert sich auf Arbeiten mit inhaltlichem Anspruch.
„Ich will keine dekorativen Objekte mehr herstellen“, betont sie. „Meine Arbeiten sollen Fragen stellen, Haltung zeigen und Menschen berühren."
Ursprünglich ist Birgit Schüller Diplom-Übersetzerin für Englisch und Spanisch, verheiratet und Mutter zweier erwachsener Kinder. 2004 machte sie ihr Hobby zum Beruf und gründete den Longarm-Quilter-Service Creative BiTS.
Seither quiltet sie im Auftrag von Patchworkerinnen und Patchworkern, die das Quilten ihrer Arbeiten auslagern möchten. „Am Anfang wurde darüber gelächelt“, erinnert sie sich. „Heute ist das völlig normal – das Longarm-Quilten hat sich durchgesetzt.“
Parallel dazu entwickelte sie eine eigenständige künstlerische Handschrift. Zwischen 2005 und 2019 zeigte sie ihre originalen Arbeiten auf internationalen Wettbewerben und Quilt-Shows weltweit und erhielt zahlreiche Auszeichnungen.
Bereits 2006 wurde sie eingeladen, ihre autodidaktisch entwickelten Techniken in den USA zu unterrichten. Bis 2019 war sie international als Dozentin in den USA, Australien und Europa tätig.
Mehrere Einzelausstellungen im In- und Ausland – unter anderem in Luxemburg, Prag, Irkutsk, Brno, Karlsruhe, Friedrichshafen, Saarbrücken sowie in den Niederlanden – sowie zahlreiche Gruppenausstellungen dokumentieren ihren Weg.
Von 2018 bis 2024 war sie Mitglied der Studio Art Quilt Association (SAQA), von 2019 bis 2022 Regionalsprecherin für Europa und den Nahen Osten.
„Irgendwann reichte mir Anerkennung allein nicht mehr“, sagt Schüller. „Ich wollte nicht nur zeigen, was ich kann, sondern wofür ich stehe.“ Angesichts gesellschaftlicher und weltpolitischer Entwicklungen habe sie sich bewusst neu positioniert und die Teilnahme an Wettbewerben beendet.
Heute sucht sie gezielt die direkte Begegnung mit Menschen. Oft nimmt sie kleinformatige Arbeiten mit in den öffentlichen Raum und fotografiert sie dort. „Wenn jemand stehen bleibt und fragt, was das ist, beginnt der eigentliche Teil meiner Arbeit“, erklärt sie. „Diese Gespräche sind mir wichtiger als jede Ausstellung hinter Museumsmauern."
Ende August 2021 zog Birgit Schüller mit ihrem Ehemann Thilo vom Saarland nach Sögel. „Thilo ist für das Technische zuständig und unterstützt mich nach Kräften“, lobt Schüller die Mitwirkung ihres Gatten. In einem großen, lichtdurchfluteten Atelier arbeitet sie heute und gibt Longarm-Kurse für Kleingruppen.
Beim Rundgang durch das Atelier zeigte uns Birgit Schüller unter anderem folgende Werke: „Trinity“/„Dreisamkeit“ aus dem Jahr 2006. Dies ist der erste Quilt, den sie bei dem internationalen Wettbewerb in Overland Park (Kansas, USA) eingereicht hatte. Er gewann dort den Preis „Rookie of the Year“.
Von Dynamik zeugt auch die Arbeit „The Sprinter“/„Der Sprinter“ aus dem Jahr 2017. Diese Arbeit thematisiert das Sprinten als die Urform von Geschwindigkeit, verbunden mit allem, was das Trainings- und Wettkampfleben eines Athleten prägt. Das Quilting erinnert stellenweise an die Friese auf antiken griechischen Vasen – ein Effekt, der passt, sich aber eher zufällig ergeben hat.
Die Werke „Swarming Out 2.0“/„Ausgeschwärmt 2.0“ aus dem Jahr 2023 sowie „Ties That Bind“/„Bindende Verbindungen“ aus der Serie „Diversity Rocks“/„Es lebe die Vielfalt“ stammen aus dem Jahr 2020. „Die Arbeit ist eines der Kernstücke meiner ‚Diversity Rocks‘-Serie“, erklärt Schüller.
Es sei ihr ein Anliegen darzustellen, dass Gesellschaft bunt sein müsse, um überleben zu können. Man müsse endlich lernen, ohne wertende Attribute zu denken und stattdessen dem Anderen und Fremden mit Respekt, Offenheit, Neugier, Toleranz und Akzeptanz zu begegnen.
Größere Veranstaltungen wie das jährlich stattfindende Patchwork-Kreativ-Wochenende finden im Marstall Clemenswerth in Sögel statt. Auf Einladung unterrichtet sie zudem in Deutschland, Europa und online.
„Meine Patchwork-Kreativ-Wochenenden im Herbst haben mittlerweile schon Tradition und sind stets mehr als ausgebucht. Deshalb biete ich in diesem Jahr einen zweiten Termin vom 29. bis 31. Mai 2026 im Marstall Clemenswerth mit dem Thema „Kurven und Bögen“ an – als Versuch und Angebot.
Für diesen Termin Ende Mai können noch Plätze gebucht werden – sowohl mit Übernachtung als auch als Tagesteilnehmerin oder Tagesteilnehmer.“#
Infos und Kosten unter: https://creativebits.biz/de/1-patchwork-kreativ-wochenende-sommer/ .
Moor & mehr – Geschichten aus den Naturparken
Naturparke in der Ferienregion feiern Jubiläum
In Kooperation mit dem Emsland-Kurier feiern wir in diesem Jahr die Jubiläen “20 Jahre Naturpark Bourtanger Moor” und “10 Jahre Naturpark Hümmling” mit Geschichten über die eindrucksvolle Kulturlandschaft, prägnante und ungewöhnliche Sehenswürdigkeiten und ehrenamtliches Engagement mit viel Heimatgefühl.
Die Beiträge werden im Emsland-Kurier veröffentlicht und sind im Emsland-Blog "Moor & mehr“ auf unserer "Geburtstagsseite"zum Themenjahr nachzulesen.





