Vom Wasserjäger zum Flugkünstler

Das Leben der Libellen – Frühwarnerin vor den Auswirkungen des Klimawandels

Wissenswertes
03.05.2026

Das Leben der Libellen – Frühwarnerin vor den Auswirkungen des Klimawandels

„Schwirrend schweben wir dahin im Sonnenglanz, unser Leben ist ein einz’ger Reigentanz.“ Mit diesen Worten beschrieb August Heinrich Hoffmann von Fallersleben seine Faszination für die wohl elegantesten Flugkünstler im Reich der Insekten: die Libellen.

Sie beherrschen die Luft wie kaum ein anderes Tier. Libellen können in der Luft stehen, rückwärts fliegen, senkrecht aufsteigen und Loopings drehen – und das in beeindruckender Geschwindigkeit. Zugleich zählen sie zu den farbenprächtigsten Insekten: Je nach Licht, Blickwinkel, Temperatur und Alter schillern sie in unterschiedlichsten Farben.

„Als Frühwarnerin vor den Auswirkungen des Klimawandels“ wurde die Gemeine Binsenjungfer, eine grün schillernde Kleinlibelle unserer Moore, vom Bund für Umwelt- und Naturschutz und der Gesellschaft deutschsprachiger Libellenkundler, zur Libelle des Jahres 2016 gekürt. Sie reagiert sensibel auf schwankende Wasserstände und das Austrocknen ihrer Fortpflanzungsgewässer, was sie zu einem Indikator für die Folgen des Klimawandels macht. 

Weltweit sind rund 6.000 Libellenarten bekannt, gut 80 davon leben in Mitteleuropa. Die kleinsten erreichen kaum 2,5 Zentimeter, große Arten bringen es auf Spannweiten von bis zu elf Zentimetern. Ihre Vorfahren waren noch deutlich imposanter: Vor rund 300 Millionen Jahren gab es Libellen mit Flügelspannweiten von bis zu 70 Zentimetern.


Auch ihre Leistungsfähigkeit ist bemerkenswert: Mit bis zu 50 Stundenkilometern gehören Libellen zu den schnellsten Insekten. Ihre großen Facettenaugen bestehen aus zehntausenden Einzelaugen und ermöglichen nahezu Rundumsicht. Bewegungen nehmen sie wie in Zeitlupe wahr – ein entscheidender Vorteil bei Jagd und Partnersuche.


Einzigartig ist ihr Fortpflanzungsverhalten: Männchen und Weibchen verbinden sich zum sogenannten Paarungsrad. Vor der Befruchtung entfernt das Männchen zunächst fremde Spermien, bevor es seine eigenen überträgt – ein ungewöhnlicher, aber effektiver Mechanismus.

Die Eiablage erfolgt im oder am Wasser. Nach wenigen Wochen schlüpfen die Larven, die – je nach Art – mehrere Jahre im Wasser leben. Dort sind sie räuberisch unterwegs und fangen ihre Beute mit einer blitzschnell vorschnellenden Fangmaske.

Erst am Ende dieser Entwicklungszeit verlassen sie das Wasser. Innerhalb weniger Stunden verwandelt sich die unscheinbare Larve in ein flugfähiges Insekt – vom Wasserjäger zum eleganten Flugkünstler. Die endgültige Färbung bildet sich in den folgenden Tagen aus. Für den Menschen sind Libellen übrigens völlig harmlos.

Moor & mehr – Geschichten aus den Naturparken

Naturparke in der Ferienregion feiern Jubiläum 

In Kooperation mit dem Emsland-Kurier feiern wir in diesem Jahr die Jubiläen “20 Jahre Naturpark Bourtanger Moor” und “10 Jahre Naturpark Hümmling” mit Geschichten über die eindrucksvolle Kulturlandschaft, prägnante und ungewöhnliche Sehenswürdigkeiten und ehrenamtliches Engagement mit viel Heimatgefühl.
 
Die Beiträge werden im Emsland-Kurier veröffentlicht und sind im Emsland-Blog "Moor & mehr“ auf unserer "Geburtstagsseite"zum Themenjahr nachzulesen.  

03. Mai 2026